News from our one year trip through Canada 

Canada - Four Seasons - Reise in Zeiten der Pandemie

Am 13.01. Abflug nach Kanada. Erste Station: Calgary/Alberta

Ihr könnt auf dieser Seite unsere Reise verfolgen. 

Jutta und Hans
Hündin Ella - auch sie kommt mit

The Camper - Eagle Cap 811,
bought at FRASERWAY Kamloops,

We took over the Camper and got it installed on the truck in March. Then our journey began.

 

Der Camper: Eagle Cap 811, gekauft bei FRASERWAY Kamloops.

Wir haben den Camper im März in Kamloops übernommen und auf dem Truck installieren lassen. 

Left to right: Sales and Leasing Consultant Kevin Moffat, Jutta Besser-Lahtz and Hans-H. Lahtz in front of the Dodge Ram 3500 at Jim Pattison Lease in Calgary

Am 14.01. haben wir unseren fetten robusten Pickup von JIM PATTISON LEASE in Calgary in Empfang genommen und sind nach anfänglichen Bedenken sehr glücklich darüber, bereits im frostigen Calgary mit Fourwheel-Drive und Winterbereifung unterwegs zu sein. In wenigen Tagen geht's in die Rocky Mountains in hohen Schnee und auf vereiste Routen und Pässe.

Die Mitarbeiter, insbesondere Amber Lyons und Kevin Moffat haben uns hervorragend beraten und betreut, mit Kompetenz und warmherziger Freundlichkeit. Sie haben uns bei der gesamten Abwicklung des Versicherungsabschlusses und der Anmledung zur Seite gestanden.

 

On 14.01. we received our pickup trucl RAM 3500 from JIM PATTISON LEASE in Calgary and after initial doubts we were very happy to be on the road in frosty Calgary with fourwheel drive and best winter tyres. A few days later we were heading for the Rocky Mountains in high snow and on icy routes and passes.
The staff, especially Amber Lyons and Kevin Moffat, gave us excellent advice and support, with competence and warm-hearted friendliness. They have assisted us with the entire process of taking out insurance and registration.

Auf dem LakeMinnewanka Banff

Banff National Park

Die Berge bei GOLDEN in den Rocky Mountains, BC

 

 

Wasserfall am Lake Louise, Banff National Park, BC

 

 

Ella: Unser Schneehund

 

 

On the road from GOLDEN to SALMON ARM

 

Im Glacier National Park

 

 

Am TransCanada Highway im Glacier National Park

 

 

Jasper National Park

iIm Maligne Canyon/Jasper NP

Rehe vor der Fairmont Lodge im Jasper NP

Im Maligne Canyon/Jasper NP

The "Ludtke" Cottage belonging to the Clearwater Springs Ranch

 

Unser Zuhause vom 01.Februar. bis Mitte März

 

Mitten in der Wildnis mit Blick auf eine weitläufige Wiese und den Battle Mountain liegt dieses wunderschöne Blockhaus. Es wurde von der ersten Familie gebaut, die sich in den frühen 1930er Jahren in diesem Tal niedergelassen hat. Es ist das älteste Cottage in der Gegend, das noch immer Gäste willkommen heißt.

 

In wilderness with a view of a meadow and Battle Mountain lies this beautiful log cabin. It was built by the first family who settled in the valley in the early 1930s. It is the oldest cottage in the area and still welcomes guests.

Wir hatten eine fantastische Zeit im Blockhaus der Clearwater Ranch in  unverdorbener Natur: Glitzender unberührter Schnee, Nadelwald, eine weitläufige Feuchtwiese mit einem Bach unter einer Eisdecke. Bevor wir die Wiese betraten oder mit Skiern überquerten, war die Schneedecke ohne Spuren, ein jungfräuliches Weiß, bis auf vereinzelte tiefe längliche Löcher, die Spuren Elchen. 

Langlauf, lange Wanderungen mit unserer Hündin Ella, am Feuer sitzen, lesen, die vollkommende Stille genießen und meditieren und ab und zu mit den Vermietern klönen - das war unser Aufenthalt in diesem Paradies. 

Die Lodge der Clearwater Springs Ranch.

Hier kann man sich im Sommer und Winter komfortabel einquartieren. Das Ludtke Cottage gehört zur Lodge. Dort haben wir sechs wunderbare Wochen verbracht.

Alle Infos sind auf dieser Website zu finden:

www.clearwaterspringsranch.com

Die Besitzer und Vermieter von Lodge und Cottage, Tania und Kurt

Alle Fotos von Jutta Besser und Hans-H. Lahtz

Aktueller Text für das Buch:

 

Die Reise in Zeiten der Pandemie 

 

Die Reise in Zeiten der Pandemie 

Die Verbreitung des Coronavirus, grenzüberschreitend in alle Richtungen, löst die unterschiedlichsten Gefühle in mir aus, wirft neue Fragen, Gedanken und Überlegungen auf, bringt Erkenntnisse, aber auch Verunsicherung mit sich. Manchmal kommt mir das alles so unwirklich an, wie in einem Science-Fiction-Film. Das Leben fühlt sich anders an, nichts ist wie bisher, und ich betrachte die Dinge aus ganz unterschiedlichen Perspektiven, je nach dem, was ich gerade erlebe und um mich herum sehe und was ich gerade gehört habe. Nach den neuesten Nachrichten über die weitere Verbreitung des Virus und seine Opfer überkommen mich Trauer und Betroffenheit, vor allem wenn ich mir vorstelle, wie an diesem Virus gestorben wird, nämlich in vollkommener Isolation – einsam. Auch wenn ich an die vielen Flüchtlinge denke, die nicht zuhause in warmen und gemütlichen Häusern und Wohnungen hocken, sondern in überfüllten Lagern, unter schlimmsten Bedingen, zieht sich mir der Magen zusammen. Und ich mache mir Sorgen um die First Nations und Native People, vor allem in den USA. Hier in Kanada gibt es zurzeit glücklicherweise nur 15 Fälle in den indigenen Gemeinden und noch keinen Toten. Sie scheinen sich recht erfolgreich abzuschirmen. Wir haben das selbst erlebt, an einer Tankstelle, wo wir ungewohnt unfreundlich und aus mehr als dem empfohlenen physischen Abstand von zwei Metern darauf hingewiesen wurden, dass sich die Gemeinden der Westküste mit den meisten First Nations vor jeglichem Tourismus abschotten und wir nicht dorthin fahren sollten. Wir erklärten unsere sehr spezielle Situation und wurden dann anstandslos bedient. Wir sind trotzdem an die Westküste gefahren, aber mit dem festen Vorsatz niemandem zu nahe zu kommen. Wir hatten nicht den geringsten Kontakt zu irgendwelchen Menschen. Uns ist bewusst, wie gefährdet diese Bevölkerungsgruppe sind. Viele in den abgelegenen Gebieten leben unter schlechten Bedingen und mit einer mangelnden Infrastruktur und medizinischen Versorgung. Viele, vor allem die in den Dörfern des Inlands, leiden unter Armut und somit schlechter Ernährung, haben Diabetes und andere Krankheiten und sind somit anfälliger für den Virus. Wir sind dort auch nicht einkaufen gegangen und haben ganz für uns allein vor dem Visitor Center übernachtet. 

Ich kann jeden der Ureinwohner Kanadas und der USA verstehen, der Reisenden gegenüber jetzt abweisend ist. Nachdem sich die Küstenindianer Kanadas sehr erfolgreich im Tourismus etwas aufgebaut hatten, müssen sie nun ihre Unternehmen wie Ferienresorts, Sightseeing-, Bären- und Walbeobachtungstouren, den Kanuverleih stoppen und Kunstgalerien und Cafés dicht machen. Das ist bitter, nach allem was ihnen von uns Weißen angetan wurde. Hans und ich hatten uns gerade eine Video-Serie über die 500 Nations auf dem gesamten amerikanischen Kontinent von Kevin Costner u.a. angesehen und uns geschämt, zu der sich immer noch überlegen fühlenden weißen „Rasse“ der Eroberer, Vertreiber und Mörder zu gehören. Die Geschichte der Indianer und Inuit, vom Polarmeer bis nach Südamerika, ist bestimmt von Vertreibung, Betrug, Verrat, Unterdrückung, Ausbeutung und Massakern durch die europäischen Eindringlinge. Epidemien, eingeschleppt von eben diesen, rafften ganze indianische Dörfer hinfort. Ein Genozid größten Ausmaßes, an Menschen, deren Lebensphilosophie nicht zu einer derartigen Umweltkatastrophe geführt hätte, wie wir sie heute erleben. In den Religionen der Indianer Nordamerikas heißt es nicht „Mach dir die Erde Untertan“, sondern „Lebe im Einklang mit der Natur und pflege sie wie dich selbst, denn sie ist in dir, wie du in ihr bist“. Und nun haben wieder Menschen, die in ihr Land eingedrungen sind, diesen Virus eingeschleppt. Ob der wirklich aus China kam, ist immer noch nicht geklärt. Er kann auch von einem Europäer kommen, der auf dem Fischmarkt in Wuhan etwas kaufen wollte. Es ist auch egal. Die lebensbedrohliche Infektionskrankheit kam wieder nicht aus ihren eigenen Reihen. 

Nach dieser Filmreihe über die Indianer haben wir uns eine Serie des ZDF über die Geschichte Kanadas angesehen: ein einziges Heroen-Epos über die Großartigkeit dieser Nation und ihrer Menschen – die damaligen Einwanderer. Die Kanadier wurden darin als erfolgreiche und durch nichts zu stoppende Holzunternehmer, Fell-Händler, Goldsucher und Öl-Exploratoren als verwegene, starke durchsetzungsfähige, mutige und unbesiegbare Menschen gelobt und gepriesen. Die Ureinwohner kamen nur am Rande vor. Das rücksichtslose Abholzen der wunderbaren Wälder, die Unterdrückung der indigenen, anfänglich auch noch gastfreundlichen Völker, die Gier nach Gold und die damit verbundene Verschandelung und Vergiftung der goldverheißenden Bäche wird nicht erwähnt.

Ja, mein Mitgefühl gilt den Menschen, die besonders unter der Gefahr und der Auswirkungen auf ihre Lebenssituation leiden, aber es gibt auch einen Blick auf dieses Geschehen, der entsteht, wenn ich von einer anderen Ebene aus auf die Dinge schaue, wie von einem anderen Planeten. Dann sehe ich das ganze Desaster, das der Mensch verursacht hat, die Zubetonierung der Erde, die Verwüstung, die Kahlschläge, die Feuersbrünste, den Müll, der sich türmt. Ich sehe die riesigen Ställe, in denen Tiere eingepfercht werden, die Schlachthöfe, in den Tiere nicht nur getötet, sondern auch gequält werden, ich sehe die Käfige, in denen Bären die Galle abgezapft wird, die Hunde, die massakriert werden, obwohl sie sich dem Menschen anvertrauen, ich sehe Hühner und Puten, denen man fleischige Brüste angezüchtet hat, so dass sie beim Laufen vornüber kippen, ohnehin eingesperrt in enge Stallungen mit einem halben Meter Platz. Ich könnte so weiter aufzählen, was Menschen Tieren antun, aus Gier und Rücksichtslosigkeit, gefühllos und manchmal sadistisch. Und wer definiert denn eigentlich diese harte Trennung von Mensch und Tier? Die Evolution kennt keine Grenze. Der Übergang vom Tier zum sogenannten Menschen ist fließend. Viele Eigenschaften und eben auch Krankheiten befallen Mensch und Tier in gleicher oder ähnlicher Weise. Warum erkennen die meisten Menschen auf dieser Welt nicht die Verbundenheit mit ihnen, die eigentliche Nähe und Verwandtschaft? Und - können wir uns tatsächlich noch über sie stellen und sie für unsere Zwecke nutzen, wo wir heute wissen, wie Tiere fühlen und denken können und zu welchen Leistungen sie fähig sind? Klar, ein Tier lebt vom anderen, Fleischfresser töten um sich zu ernähren, aber sie vernichten sich nicht in Massen, sie schlachten nicht ab, kennen keine Gier über den normalen Hunger hinweg.  

Und so stellt sich mir die Frage: Warum trat dieser Virus gerade jetzt auf, wo wir dies alles wissen, wo sich sehr deutlich zeigt, dass das Klima auf der Erde durch die Einwirkung der Menschheit kippt, zu einem Zeitpunkt an dem wir sehen, wie das Meer zu einer Plastik-Müllhalde verkommen ist und Fische und andere Meeresbewohner an der Aufnahme von Plastik elendlich krepieren? Sollte das Zufall sein?

Ich glaube an ein Prinzip der Logik und des Selbstschutzes der Natur. Ich glaube an das Prinzip von Ursache und Wirkung. Und aus der Perspektive der Erde, der Bäume, der Meere und der Tiere gesehen ist der Mensch ein Parasit, der sich in einem nicht mehr umweltverträglichen Maße vermehrt hat. Deshalb sehe ich die Notwenigkeit, auch wenn erschreckend und beängstigend, dass sich die Natur wehrt. Humaner gewesen wäre ein Virus, der beim Menschen zu Unfruchtbarkeit führt, anstatt die zu töten, die nun einmal auf dieser Erde leben. Aber so funktioniert die Natur leider nicht immer. 

Auf jeden Fall beschwere ich mich nicht über diese Situation. Unser seit mehr als zehn Jahren bestehender Traum von grenzenloser Freiheit ist geplatzt, unsere Pläne wurden durchkreuzt. Wir sind zwar im Land unserer Träume angekommen und hatten eine wunderbare Zeit zu Beginn der Reise, einen faszinierenden Winter in einer unverdorbenen Natur. Aber nun haben die Kanadier – zu Recht – das Reisen eingeschränkt, inländische Grenzen zum Teil dicht gemacht und alle von den Provinzen betriebenen Campinglätze geschlossen. Geöffnet sind nur vereinzelte private RV-Plätze. Und so ist das vollkommen unbeschwerte Herumreisen nicht mehr möglich. Wir müssen uns Parkplätze suchen, müssen nächtigen, wo es offiziell verboten ist oder eben auf die wenigen privaten, oft sehr teuren Campgrounds ausweichen. Wir reisen folglich stets mit der Frage, ob wir in unserem Camper für die Nacht eine Bleibe finden. Aber auch das akzeptieren wir, ohne uns langfristig die Stimmung zu verderben, denn wir haben längst eingesehen, dass das viele Herumreisen mit einem schweren Gefährt nicht mehr in die Zeit passt, auch wenn wir durch unser bescheidenes Leben vieles wieder ausgleichen. Wir sitzen in dicken Jacken in unserem sparsamst geheizten Mobilhome, verbrauchen ein Minimum an Wasser zum Waschen und Kochen und fahren einmal die Woche zum Einkaufen in den nächsten Ort. Und nun sind wir durch diese Einschränkungen noch sesshafter geworden, stehen mindesten zwei, jetzt sogar sieben Tage auf dem gleichen Campingplatz. Recht so, trösten wir uns, auch wenn wir viele Jahre auf diese anders geplante Zeit gespart und uns riesig darauf gefreut hatten eine große Tour durch die Weiten Kanadas und der USA zu machen. Wir haben trotz allem herrliche Erlebnisse in atemberaubenden Landschaften, wandern durch natürliche „Museen“ mit den erstaunlichsten Kunstwerken der Natur. Wir wurden zur Reduktion auf das Wesentliche gezwungen und finden uns brav damit ab, weil wir einsehen, dass all dies kommen musste. Bereits jetzt ist die Luft in den Großstädten reiner und es steht in Aussicht, dass wir endlich unsere Klimaziele erreichen und sich der CO2-Ausstoß erheblich verringert. Für die Natur, die Tiere in ihr und für die nachfolgende Generation Mensch könnte sich nun etwas zum Besseren wenden. Dafür müssen leider einige, oder vielleicht sogar viele alte und bereits kranke Menschen sterben. Sie müssen es für die Zukunft der jungen Menschen. Das ist traurig, aber auf dieser Erde ist so vieles traurig und dramatisch. Würde die Familienplanung, vor allem in Afrika und Nahost, jetzt ernst genommen und alle würden nur zwei Kinder anstatt von mindestens vieren bekommen, so wäre das umweltfreundlicher.

 

Man wird sehen, muss abwarten, was als Nächstes geschieht. Alles ist jetzt offen, so offen und ungewiss, wie lange nicht. Es sind merkwürdige Zeiten, harte Zeiten für die Menschheit, in ihrer Globalisierung alle betroffen, ob rot oder gelb, schwarz oder weiß, ob arm oder reich. Jeder kann sich infizieren und jeder kann den Virus weiterreichen. Die verlangten zwei Meter Abstand von Mensch zu Mensch hier in Kanada, werden, so erleben wir es, von den meisten eingehalten. Hoffen wir, dass Mutter Natur uns nur einen Schlag ins Gesicht geben will und uns nicht langfristig zum Aussterben bringt, oder – was soll man hoffen? Jeder hofft in erster Linie für sein eigenes Durchkommen und das seiner Angehörigen und geliebten Menschen, da kann mir keiner etwas vormachen. Selbst Mutter Theresa hatte bei all ihrer aufopfernden Einsätze sicher auch ein eigenes Anliegen, nämlich von Gott geliebt zu werden und als Heilige in den Himmel aufgenommen zu werden. Aber das ist völlig in Ordnung und völlig normal. Jedes Lebewesen ist so gestrickt und da sind wir mal wieder alle nicht weit voneinander entfernt. Und so sollten wir uns jetzt dennoch physisch weiter voneinander getrennt, auf mentaler und sozialer Ebene zusammenfinden, Mensch und Mensch und Tier und Mensch und Mensch und Natur – oder warum sage ich das eigentlich so? Die Natur ist nicht etwas, das außerhalb von uns besteht. Wir sind doch die Natur – eigentlich und das müssen wir wieder verstehen und leben.   Wir alle atmen Luft, wir alle trinken Wasser und sind sogar zu achtzig Prozent aus Wasser, die Sonne wärmt uns und die Pflanzen essen wir. 

Wir Reisende, Heimatlose auf Zeit, werden jetzt in kleinen Etappen in der Provinz British Columbia weiterreisen, hoffentlich zu der geplanten Zeit wieder zurückkönnen und uns dann neu orientieren. Vielleicht, so habe ich mir schon lange überlegt, im Umweltschutz aktiv werden, auf jeden Fall im Tierschutz. Man wird sehen, was überhaupt noch oder wieder möglich ist, wie sich alles entwickeln wird. Jetzt erstmal durchhalten und versuchen, optimistisch zu bleiben.

 

 

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Kunstwerke der Natur 

Kanada – Four seasons - Die Reise in Zeiten einer Pandemie
von Jutta Besser

 

Kanada – Four seasons
von Jutta Besser und Hans-H. Lahtz

 

Mit Volldampf in den Un-Ruhestand

 

VorwortJutta

Kanada – Four seasons - Reise in Zeiten einer Pandemie
von Jutta Besser

 

Die Welt schien noch in Ordnung. Für uns war sie es. Vor uns stürzten gewaltige Wassermassen mehr als 140 Meter in einen Canyon hinab: Die Helmcken Falls im Wells Gray Provincial Park in British Columbia, West-Kanada. Wir saßen direkt am Rande des Plateaus und hatten Tränen in den Augen. Es war der Tag vor der Abreise unserer zweiten Kanadatrips unter einem klaren weiten Himmel.

Hier und an diesem Tag im Jahr 2003 entstand unser planloser Plan: ein ganzes Jahr durch Kanada zu tuckern – und tuckern, das meine ich wörtlich: langsam, ganz ohne Site-Seeing-Stress, ohne feste Route. Tag für Tag neu entscheiden, wohin uns der Wind weht, jeden Tag schnuppern, spähen, tief in die eigene Mitte hineinspüren, den Bauch entscheiden lassen, ob Süden, Norden, Westen oder Osten die Fahrtrichtung sein wird. Ja, das fühlte sich nach uneingeschränkter Freiheit an.

Natürlich schwang nun, ein paar Jahre später, unser Umweltbewusstsein mit und ließ ein Unwohlsein entstehen bei dem Gedanken, in einem megafetten Pickup-Truck mit einer 6,5-Liter-Maschine durchs Land zu knattern. Ich will mich damit nicht entschuldigen, aber zu dem damaligen Zeitpunkt wünschte ich mir, nicht ohne Bedauern, es gäbe es ein Verbot für solche Autos oder Camper oder auch ein Flugverbot für Privatreisen. Dann hätte ich mich tatsächlich freudig von diesem Traum verabschiedet und in der Gewissheit Trost gefunden, dass ja alle betroffen sind und somit auch alle hätten verzichten müssen und dadurch tatsächlich etwas bewirkt worden wäre. Heute, in Zeiten von Corona, sieht ohnehin alles ganz anders aus. Verzicht findet nun als Folge einer Pandemie statt. Man wird sehen, wie es weitergeht. Nichts ist mehr wie zuvor. Lernen wir aus dem Geschehen?

Die letzten Jahre hatten wir – ansässig nur 300 km entfernt in der Nordheide – an der Feldberger Seenlandschaft verbracht und sind auch dort sehr sesshaft gewesen, lebten sehr einfach, wuschen uns im See mit Ökoseife. Dann jedoch kam der Coronavirus und stoppte auf sehr brutale Weise den exorbitanten CO2-Ausstoß.

Unser neuer Lebensabschnitt begann 2019 mit gigantischer Vorfreude gepaart mit dem Megastress des ersten Reiseabschnitts. Die angestrebte Reisefreiheit ohne Zeitlimit wollte hart erarbeitet werden, erstmal im Berufsleben und dann mit so nüchternen Vorbereitungen wie Visumsantrag, Abschluss einer Autoversicherung fürs Ausland, Haus oder Wohnung zumindest partiell vermieten, damit die Kasse stimmt und die Einbruchgefahr nicht steigt, weil das Haus leer steht. Wenn, wie in unserem Fall, ein Hund mitkommen sollte, so standen noch Impfungen und Gesundheitscheck beim Haustierarzt an, der Besuch beim Amtstierarzt, der Einkauf von bestimmten Pflegeartikeln u.a.. 

Die Wochen vor der großen Reise waren folglich dicht gepackt mit Erledigungen, so dass der Fall in das große Loch nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben - bei mir die Pause -abgefedert wurde, bzw. sich das große Loch gar nicht erst auftat. Bei uns – das sei an dieser Stelle schon verraten, kam statt des Falls ein Höhenflug – per Boing 777 mit Air Canada.

Ja, endlich frei, dachten wir damals, ohne den Druck beruflicher Zwänge, Belastungen, Fesseln und ohne Ballast – abgesehen vom überdimensionalen Gepäck (zwei XXL-Koffer, zwei Handgepäck-fähige Köfferchen, zwei Laptop-Rucksäcke und eine XXL-Hunde-Transportbox) und wenn man so will – der Hund an der Leine. Auf meine geliebte Gitarre musste ich notgedrungen verzichten, aber ich hattee in Calgary einen guten Ersatz gefunden: eine schwarze Fender – mal was anderes.

Wer die Signale der Zeit erkennt, vermag mit dem Fluss des Lebens zu schwimmen und die für ihn adäquaten Dinge zu tun. Und wie schön, wenn das exakt mit den Vorstellungen und Bedürfnissen des Partners übereinstimmt.

Wir fuhren hinein eine offene Situation. Auch das klingt heute sehr normal, nicht mehr wegen der Freiheit, sondern weil heute, Corona bedingt alles für alle offen ist. 

Es war nicht einfach, den verlängerten Fuß in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu bekommen. Ob die Kanadier uns tatsächlich ein Jahresvisum ausstellen würden, blieb bis zum Besuch des Emigration Center offen. All unserer Versuche mit der kanadischen Botschaft, die mittlerweile für die gesamte EU zuständig, in Wien residiert, blieben vergebliche Mühe. Eine Verlängerung über sechs Monate hinaus gewährte man den „Eindringlingen“ nur vor Ort. Wir mussten also mit offenem Ausgang losreisen und das, obwohl wir bereits einen Pickup Truck und einen Camperaufsatz über das Internet gekauft hatten. Heute ist ungewiss, ob wir ihn wieder verkauft bekommen.

Ein Leihcamper wäre für so einen Zeitraum die deutlich unkomplizierte Lösung, wäre jedoch zu teuer gekommen. 

 

 

 

1 Abschied vom Berufsleben - Eintritt in die Freiheit

 

Wie jede Sache ihre zwei Seiten hat, als Taiji-Lehrerin würde ich es auch Yin und Yang nennen, so ist auch der Wechsel vom Aktiv- in den Ruhestatus mit zweierlei Gefühlen behaftet. Da ist das Loslassenmüssen von dem mühevoll selbstständig Erarbeiteten für mich als Freiberufler, mit dem damit verbundenen und in keinem Verhältnis zum Nettoeinkommen stehendem Verwaltungsaufwand und gleichsam der Abnutzungsprozess durch die Routine, die auch durch die netten Teilnehmer in meinen abendlichen Taiji-Kursen nicht aufzuhalten ist. Und so war eine Auszeit nach über zwanzig Jahren dringend angesagt.

Es war ein neues, ein herrlich befreiendes Gefühl, endlich dem Nichts-Auf-Dem-Zettel-Haben entgegenzugehen, durch das auserwählte Land zu bummeln und den Tag zu nehmen, wie er sich gerade vor einem entfaltetete. Und mit diesen Yin- und Yang-Gefühlen (positiv und negativ) stellten wir uns einer ganz neuen Herausforderung: Die Haustür für ein Jahr hinter uns schließen, der geliebten Scholle und den Freunden ade sagen, das sichere Heim gegen ein rollendes tauschen, in dem wir zwischen Küchenzeile und Regalen gerade so aneinander vorbeipassen würden, und in dem wir einen winzigen Tisch miteinander zu teilen hätten, an dem gegessen, gepuzzelt, gelesen und getippt würde. 

Okay, zugegeben, da fehlt noch etwas im Ablauf. Der Übergang ging etwas fließender von statten, denn das erste Heim war eigentlich, nach einigen Hotelaufenthalten, unser Blockhaus am Wells Gray Park. Dieses kleine Blockhaus in der Wildnis des Clearwater Valley am Wells Gray Park wurde zu unserem Paradies. Aber das ahnten wir noch nicht. Damals stellten sich uns die Fragen:  Wie tief würden die Temperaturen während unseres Aufenthalts sinken? Würde die Hütte warm werden mit einem Holzofen und zwei kleinen Heizkörpern in Bad und Schlafzimmer? Würden wir einschneien? 

Und dann – gefühlt plötzlich – war der Moment der Abreise aus Deutschland gekommen. Wir konnten es kaum fassen, haben wir doch zehn volle Jahre auf diesen Augenblick gewartet. 

Am13.Januarging es los. Wir packten kurz vor Mitternacht unsere Koffer in den Caddy unserer lieben Nachbarn, ein schlicht schwarzer Riese für mich – Frauen brauchen ja immer mehr Krempel als Männer – und ein normal großer für Hans. 

Überpünktlich kamen wir am Harburger Bahnhof an, zogen das Gepäck und den schlaftrunkenen Hund hinter uns her und stiegen in das Gruppenabteil der Deutschen Bahn. Dieses ganze Abteil war nämlich als Gruppenticket für sechs Personen – so verkehrt ist die Welt der Bahn - billiger als ein Ticket für vier Reisende. 

Der Grund unserer Bahnreise von Hamburg-Harburg nach Frankfurt war unsere Hündin Ella, vor gut einem Jahr traumatisiert aus der Hundehölle Rumänien gerettet, der wir das Umsteigen in der Flugbox von einem Flieger in den nächsten ersparen wollten.

Wir stiegen also kurz vor Mitternacht in Hamburg-Harburg in den ICE, der – man mag es kaum glauben – pünktlich den Bahnhof in Richtung Frankfurt verließ. Dass es jedoch, wie bei der Buchung angenommen, keine Abteile mit Bänken mehr gibt, auf denen man sich zum Schlafen ausbreiten kann, war eine unangenehme Überraschung. Wir mussten die Nacht also sitzend verbringen. Für Ella war die Bahnfahrt mit den ratternden und quietschenden Fahrgeräuschen ein Horror und vielleicht der größere Stress als der Flug. Sie schlief nicht, hechelte stattdessen die ganze Zeit. In Frankfurt wuchteten unser Gepäck mit steifem Nacken und dösigem Kopf auf den zugigen Bahnsteig und zogen es zur S-Bahn, mit der wir zum Flugplatz weiterfuhren. Dort verbrachtenwir den Vormittag mit dem Betüddeln unserer gestressten Ella, mit letztem Gassigehen und Herumlungern im Dämmermodus.

Als wir bereits vierzehn Tage in Kanada waren und den wundervollen schneereichen Winter in Jasper genossen, am 27. Januar, kamen die ersten dünnen Nachrichten über einen neuen sehr ansteckenden Grippe-Virus aus Deutschland zu uns. Unsere Freunde schickten uns die Empfehlung: „Seid froh, dass Ihr nicht in Europa seid. Hier sorgt ein neuer Virus für Angst und Schrecken.“ Ja, ich war froh, und doch sprach etwas aus meinem Bauch, wie so häufig, das mir sagte, dass auch wir nicht in Sicherheit wären, dass das in Zeiten der Globalisierung, der schnellen und einfachen Verbindung von Kontinent zu Kontinent nirgends mehr möglich war. Aber dieses Gefühl hielt sich nicht lange, wurde überlagert von den wunderbaren Eindrücken und Erlebnissen dieses schönen Landes mit so viel unverdorbener Natur.

 

 

Um 13:30 Uhr ging es pünktlich in der Enge der Economy Class nach Calgary. Hunde mit einem Gewicht von über acht Kilo müssen im Frachtraum reisen, gleich nebenan von Koffer und Co.. Da sind selbst neuneinhalb Flugstunden schon grenzwertig, auch unter der dämpfenden Wirkung einer Valiumtablette. Die Hunde werden in ihrer Flugbox über das Rollfeld befördert wie ein Gepäckstück, wenn auch deutlich sanfter und erst dann, wenn alles andere verstaut ist. Wir hatten das bereits mit Ellas Vorgängerin gemeistert, aber das mulmige Gefühl flog dennoch mit. 

Wir fieberten voller Anspannung dem Öffnen der Flugbox entgegen, nach einer pünktlichen Landung – Ortszeit 13:30 Uhr. Wie würde unsere Ella dort herauskommen, wie würde sie auf uns reagieren, die wir sie in diese Schachtel gesperrt und ihrem Schicksal überlassen hatten? 

Aber das Wiedersehen ließ noch auf sich warten. Erstmal mussten wir durch die Passkontrolle. Die erfolgte voll elektronisch und nach vorgegebenen Schema F, bestätigte freundlich unsere Eingabe der Länge des Aufenthalts „365 Tage“, so dass wir uns verwundert ansahen und kaum fassen konnten, dass wir nun für ein Jahr einreisen durften, ohne weitere Fragen, ohne das Vorlegen unserer diversen Unterlagen über Einkommen, Rente, Versicherung und so weiter. Wir hoben schlapp aber glücklich die Daumen und beeilten uns, endlich Ella aus ihrem „Käfig“ zu befreien. Aber nix da, sie musste in der Box bleiben und darin auf den Caddy, was in ihren Ohren als ein undefinierbares und bedrohliches Rumpeln drang. Sie tat uns so leid, aber was das Einhalten von Vorschriften und Regeln betrifft, darin sind kanadische Beamte und Flughafenangestellte strikt und emotionslos, geradezu gnadenlos. Und an der letzten Kontrolle wurden wir dann in das Immigration-Center zitiert. Dort sollten wir den Hund registrieren lassen. Hierbei stießen die Beamten auf unsere digital eingetragenen 365 Tage Aufenthalt und gerieten in die Fänge eines absolut humorlosen Mr. Wichtig, der sich nichts von unseren Wünschen anhören wollte, schweigend unsere Pässe einzog und uns arrogant abschätzend klar machte, dass wir geduldig zu warten hätten, bis man uns aufrufen würde. Dann würde über unser Anliegen entschieden. Ich muss sagen – und ich habe in der Flüchtlingshilfe gearbeitet, syrischen und afghanischen Männern beim Deutschunterricht geholfen – dass dies nicht der typische Kanadier war, sondern ein Macho aus einem der Länder, in denen sich die westlichen Imperialisten unbeliebt gemacht haben. Ein Typ mit verletztem Selbstwertgefühl und einem unbändigen Drang zu Geltung und Macht über die verwöhnten Westler, die als fettsituierte Touristen ins Land kommen und sich alles leisten können, wovon er nur träumen kann. Als wir nach fast zwei Stunden stumpfen Wartens und unserer armen Ella neben uns in der Flugbox endlich aufgerufen wurden und ich voller Spannung zu den zwei jungen, deutlich freundlicher blickenden Beamten sprintete, wusste ich, dass wir eine Chance hatten. Ich zog meiner Unterlagen hervor, lächelte freundlich beim Blick in unsere Pässe und erklärte, dass wir dem kanadischen Staat nicht auf der Tasche liegen würden – im Gegenteil – Geld ins Land brächten, da wir Rente und andere Einkünfte vorweisen könnten, eine Krankenversicherung für das ganze Jahr nachweisen konnten und auf unserer Rundreise konsumieren würden, denn zumindest essen, trinken und tanken würden wir auf jeden Fall. Die beiden Beamten hatten eine derartige Anfrage noch nie erhalten. Anträge auf Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung und Travel & Work-Anmeldungen, all das war normal, aber zwei Rentner-on-the-road, das war etwas Neues für sie. Sie berieten sich und schwupps setzten sie ihren Stempel in unsere Pässe. Yeah, dachte ich und warf Hans einen freudigen Blick zu mit Daumen nach oben. Wir fielen uns in Arme. Es war geschafft – wir hatten das Visum. Eine Tür öffnete sich und wir durften eintreten in dieses spannende Land, ohne das Zeitkorsett, dass uns bei den vorherigen Reisen so eingeengt hat.   

Für die angebotene Abholung durch einen Fahrer von JIM PATTINSON LEASE, wo wir den Pickup über das Internet gekauft hatten, waren wir nun zu spät. Das Ergattern eines Großraumtaxis jedoch ging reibungslos von statten. Nach wenigen Minuten hatten wir einen Fahrer, der Ella in der Box etwas unwirsch unter die Rückklappe schob. Der erste Schritt aus dem überheizten Flughafengebäude war ein eisiger Schlag ins Gesicht. 33 Grad Minus, übermüdet und angespannt gefühlte Minus 40.

Schnell war alles verstaut und der Wagen knirschte über die vereisten Straßen. Durch das Rauschen der auf maximale Kraft eingestellten Heizung vernahmen wir Ellas ängstliches Hecheln im Hintergrund und konnten erst wieder richtig durchatmen, als wir gegen sieben Uhr abends an unserer Unterkunft ankamen. Ella zeigte sich schwach erfreut, noch im Nebel der Beruhigungspille, aber intakt.  

Das über Airbnb gebuchte Gartenhaus war gemütlich eingerichtet und – besonders wichtig bei klirrender Kälte, gut heizbar. Der Vermieter empfing uns freundlich und half beim Hineinschleppen der Flugbox. Ellas Platz neben das Bett, das Nötigste aus den Koffern und dick eingemummelt in Daune, Pudelmütze und so etwas wie eine Flies-Burka drehten wir mit Ella eine Runde in dem kleinen Garten. Erschöpft und dennoch so aufgedreht, dass das Einschlafen gefühlt Stunden dauerte – in Deutschland wären wir gerade, das Frühstück noch in der Verdauung, zur Hunderunde ins Büsenbachtal gestiefelt.

Per E-Mail erhielten wir von Kevin, Sellers Consultant von JIM PATTINSON, die Nachricht, dass der Fahrer auf uns gewartet hätte. Wir entschuldigten uns und mailten zurück, dass wir den Wagen am nächsten Vormittag abholen würden. 

Hans ist noch durch den frostigen Abend zum Supermarkt gestiefelt und hat Brot, Humus und Käse fürs Frühstück und Hundefutter geholt. Rot wie ein Hummer im Gesicht kam er zurück ins kuschelige Häuschen, kuschelig bis auf das Bad, indem die Heizbarkeit in früheren Zeiten noch erkennbar war – ein Radiator a.d.. Das war ein Kühlschrank und verkürzte die sonst unendlichen Sitzungen meines Mannes auf ein Minimum.

 

 

 

 

Der weiße Riese

Die Übernahme unseres weißen Dodge Ram 3500, eine echte Wuchtbrumme, war trotz Schock über die Ausmaße ein netter Moment: Geradezu herzlich wurden wir bei JIM PATTINSON LEASE vom Sellers Consultant Kevin und der Verkaufs-Managerin Amber empfangen. Alles geht in Kanada per Vorname vonstatten, selbst wenn es um Versicherung und Buchungen geht. Dass wir diese unverschämt fette Kiste kaufen mussten haben wir Bradley zu verdanken, Sellers Consultant a.d., bei Kanadas größten Camperverleiher- und Verkäufer, ein Muskelpaket, nicht nur körperlich. Er war in der Lage, uns in wenigen Wochen davon zu überzeugen, dass wir mit keinem anderen Camper heil durch die kanadische Wildnis kämen. Ein Truckcamper sollte es auf alle Fälle werden, aber ein Eagle Cap 811, wörtlich übersetzt Adlerkappe,gehörte eigentlich nicht in unser Beuteschema – zu groß, zu luxuriös - zu teuer. Als wir dann endlich breitgeklopft von Bradley, stolze Besitzer eines Campers mit Slide-out und Generator für den Fall erneuter Klimakapriolen mit Temperaturen an die 40 Grad waren, entdeckten wir, dass das Teil so viel wog, dass es nur von einem Ford 350 oder einem Ram 3500 aufwärts zu wuppen war. Die sogenannte Payload beträgt 4500 lbs, das sind ... Tonnen. Und nun standen wir vor einem Problem. Pickups mit einer Payload um die 3500 lbs gibt es in Kanada wie Sand am Meer. Jeder Hinz und Kunz fährt dort einen Pickup, aber eben mittlerer Größe – für kanadische Verhältnisse wohlbemerkt. 

Auf dem Verkaufsparkplatz der Leasing-Firma Jim Pattinson grinste uns also ein Truck an, dessen Kühler einem Pitt-Bull-Terrier mit gefletschten Zähnen gleicht. Angsteinflößend, zumindest für umweltbewusste Menschen wie wir es sind. Und selbst der Verkäufer Kevin wiederholten ungefähr viermal den Satz „It’s a real big truck, you know, real big!“ als Warnung vor zu viel Drive.  

Ein Fahrer der Firma brachte uns zur KFZ-Anmeldestelle. Da die Versicherung auf Hans‘ Namen abgeschlossen worden war und ich den Pickup gekauft habe, hieß es zunächst, dass wir so das Auto nicht anmelden könnten. Erneuter Schock, aber dann schlug uns die Dame hinter dem Counter eine originelle Lösung vor: Ich sollte meinem Mann den Wagen verkaufen, dann kleine Korrektur – nein schenken. Daraufhin lächelte er begeistert und wenig später hatte ich Hans ein gigantisches Geschenkt zur Ankunft gemacht – einen Ram 3500.

Die Tage in Calgary waren geprägt von Erledigungen, Shoppinggängen und Spaziergängen in klirrender Kälte mit Hündin Ella, der wir bei Minus 33 Grad auch lieber ein Mäntelchen und Schuhe angezogen haben. Die Schuhe waren dabei am wichtigsten, weil sie nach den ersten Schritten auf dem eisigen Boden nur noch auf drei Beinen ging. Es tat ihr richtig weh und so entschlossen wir zu etwas, dass wir bei uns eher lächerlich fanden, zum Anziehen unseres Hundes. Der Dank äußerte sich in einem Sprint durch den Canmore Park durch den Schnee, durch die Büsche hindurch, die Hügel rauf und runter. Ein fröhlicher Hund macht Frauchen und Herrchen glücklich und lässt alle Peinlichkeitgefühle verschwinden.  

 

Angekommen in den immer wieder beeindruckenden Rocky Mountains, zeigte sich das Winterwetter von seiner absolut angenehmsten Seite: Termperaturen um 0 herum, richtig fett Schnee und viel Sonne - ein kanadischer Traum. Wir alle drei genossen den richtigen Winter und den Schnee. Ella liebte es, sich im Schnee zu drehen, erschien gezuckert und zerzaust aus den Schneebergen. Hans und ich haben uns im Secondhand-shop in Canmore Langlaufski gekauft und glitten damit über sanfte Hügel hinauf und hinab durch den grün-weißen Tannenwald und über den See im Banff National Park.

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Seit unserem Aufenthalt in unserem Blockhaus am Wells Gray Park Ende Januar erfuhren wir von der Verbreitung des Coronavirus, was unsere Reise gewaltig veränderte und somit auch mein Buch in andere Richtung bringen wird. 

 

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Mittlerweile sind wir mehr als vier Monate unterwegs und haben, trotz Pandemie, trotz vieler Schließungen von Campgrounds und Läden immer wieder herrliche Plätze gefunden, mal wild, mal auf privaten Campingplätzen. Die Natur tröstet uns in diesen schweren Zeiten, in denen viele Menschen Kummer und Leid aufgesetzt sind. Wir sind dankbar dafür, dass wir sein dürfen und üben uns beim Reisen in Selbstisolation, ganz automatisch, da wir oft allein auf den Campgrounds oder den wilden Plätzen sind. Schön, wenn man sich so gut versteht. Liebe ist das größte Geschenk.

 

Unsere Reise entpuppt sich zu einer ganz Besonderen: wir sind auf den offiziellen privaten Campingplätzen, die die gesamte Zeit offen waren, sowie auf den White Spot-Plätzen (erlaubtes Wildcampen) fast alleine und genießen die Ruhe, die neu entdeckten "Nieschen", die für uns bisher unendeckten Plätze abseits der ausgetreten Routen. Der kanadische Traum ist Wirklichkeit geworden. Nun müssen wir durch die Mückenzeit. Mal sehen, wie das wird. Ab August, mit den ersten kühlen Nächten wird es dann wieder angenehmer.

 

In 2021 könnt Ihr mehr über unsere Reise lesen.

 

 

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