News from our one year trip through Canada 

Canada - Four Seasons - Reise in Zeiten der Pandemie

Am 13.01. sind mein Mann Hans und ich für 1 Jahr nach Kanada geflogen. Erste Station: Calgary/Alberta. 

Ihr könnt auf dieser Seite unsere Reise verfolgen. 

Jutta und Hans
Hündin Ella - auch sie kommt mit

The Camper - Eagle Cap 811,
bought at FRASERWAY Kamloops,

We took over the Camper and got it installed on the truck in March. Then our journey began.

 

Der Camper: Eagle Cap 811, gekauft bei FRASERWAY Kamloops.

Wir haben den Camper im März in Kamloops übernommen und auf dem Truck installieren lassen. 

Left to right: Sales and Leasing Consultant Kevin Moffat, Jutta Besser-Lahtz and Hans-H. Lahtz in front of the Dodge Ram 3500 at Jim Pattison Lease in Calgary

Am 14.01. haben wir unseren fetten robusten Pickup von JIM PATTISON LEASE in Calgary in Empfang genommen und sind nach anfänglichen Bedenken sehr glücklich darüber, bereits im frostigen Calgary mit Fourwheel-Drive und Winterbereifung unterwegs zu sein. In wenigen Tagen geht's in die Rocky Mountains in hohen Schnee und auf vereiste Routen und Pässe.

Die Mitarbeiter, insbesondere Amber Lyons und Kevin Moffat haben uns hervorragend beraten und betreut, mit Kompetenz und warmherziger Freundlichkeit. Sie haben uns bei der gesamten Abwicklung des Versicherungsabschlusses und der Anmledung zur Seite gestanden.

 

On 14.01. we received our pickup trucl RAM 3500 from JIM PATTISON LEASE in Calgary and after initial doubts we were very happy to be on the road in frosty Calgary with fourwheel drive and best winter tyres. A few days later we were heading for the Rocky Mountains in high snow and on icy routes and passes.
The staff, especially Amber Lyons and Kevin Moffat, gave us excellent advice and support, with competence and warm-hearted friendliness. They have assisted us with the entire process of taking out insurance and registration.

Auf dem LakeMinnewanka Banff

Banff National Park

Die Berge bei GOLDEN in den Rocky Mountains, BC

 

 

Wasserfall am Lake Louise, Banff National Park, BC

 

 

Ella: Unser Schneehund

 

 

On the road from GOLDEN to SALMON ARM

 

Im Glacier National Park

 

 

Am TransCanada Highway im Glacier National Park

 

 

iIm Maligne Canyon/Jasper NP

Rehe vor der Fairmont Lodge im Jasper NP

Im Maligne Canyon/Jasper NP

The "Ludtke" Cottage belonging to the Clearwater Springs Ranch

 

Unser Zuhause vom 01.Februar. bis Mitte März

 

Mitten in der Wildnis mit Blick auf eine weitläufige Wiese und den Battle Mountain liegt dieses wunderschöne Blockhaus. Es wurde von der ersten Familie gebaut, die sich in den frühen 1930er Jahren in diesem Tal niedergelassen hat. Es ist das älteste Cottage in der Gegend, das noch immer Gäste willkommen heißt.

 

In wilderness with a view of a meadow and Battle Mountain lies this beautiful log cabin. It was built by the first family who settled in the valley in the early 1930s. It is the oldest cottage in the area and still welcomes guests.

Wir hatten eine fantastische Zeit im Blockhaus der Clearwater Ranch in  unverdorbener Natur: Glitzender unberührter Schnee, Nadelwald, eine weitläufige Feuchtwiese mit einem Bach unter einer Eisdecke. Bevor wir die Wiese betraten oder mit Skiern überquerten, war die Schneedecke ohne Spuren, ein jungfräuliches Weiß, bis auf vereinzelte tiefe längliche Löcher, die Spuren Elchen. 

Langlauf, lange Wanderungen mit unserer Hündin Ella, am Feuer sitzen, lesen, die vollkommende Stille genießen und meditieren und ab und zu mit den Vermietern klönen - das war unser Aufenthalt in diesem Paradies. 

Die Lodge der Clearwater Springs Ranch.

Hier kann man sich im Sommer und Winter komfortabel einquartieren. Das Ludtke Cottage gehört zur Lodge. Dort haben wir sechs wunderbare Wochen verbracht.

Alle Infos sind auf dieser Website zu finden:

www.clearwaterspringsranch.com

Die Besitzer und Vermieter von Lodge und Cottage, Tania und Kurt

Alle Fotos von Jutta Besser und Hans-H. Lahtz

 Kanada - Four Seasons - eine Reise in Zeiten der Pandemie

von Jutta Besser

 

Die Reise in Zeiten der Pandemie 

 

Die Natur schien, trotz vieler sich anbahnender Bedrohungen robust, allen Widrigkeiten trotzend, das Klima stand noch nicht im Focus und die Menschen in den gesundheitlich gut versorgten Ländern der Welt wähnten sich gefreit vor Epidemien, als wir 2005 mit unserer Hündin Paula an einem Canyon in der kanadischen Wildnis saßen. 

Vor uns stürzten gewaltige Wassermassen mehr als 140 Meter in einen Canyon hinab: Die Helmcken Falls im Wells Gray Provincial Park in British Columbia, West-Kanada. Wir hatten Tränen in den Augen. Es war der Tag vor der Abreise unserer zweiten Kanadareise unter einem klaren weiten Himmel.

Hier und an diesem Tag entstand unser planloser Plan: ein ganzes Jahr durch Kanada zu tuckern – und tuckern, das meine ich wörtlich: langsam, ganz ohne Site-Seeing-Stress, ohne feste Route. Tag für Tag neu entscheiden, wohin uns der Wind weht, jeden Tag schnuppern, spähen, tief in die eigene Mitte hineinspüren, den Bauch entscheiden lassen, ob Süden, Norden, Westen oder Osten die Fahrtrichtung sein wird. Ja, das fühlte sich nach uneingeschränkter Freiheit an.

Natürlich schwang nun, ein paar Jahre später, unser Umweltbewusstsein mit und ließ ein Unwohlsein entstehen bei dem Gedanken, in einem megafetten Pickup-Truck mit einer 6,5-Liter-Maschine durchs Land zu knattern. Ich will mich damit nicht entschuldigen, aber zu dem damaligen Zeitpunkt wünschte ich mir, nicht ohne Bedauern, es gäbe es ein Verbot für solche Autos oder Camper oder auch ein Flugverbot für Privatreisen. Dann hätte ich mich tatsächlich freudig von diesem Traum verabschiedet und in der Gewissheit Trost gefunden, dass ja alle betroffen sind und somit auch alle hätten verzichten müssen und dass dadurch tatsächlich etwas bewirkt worden wäre. 

Die letzten Jahre hatten wir – ansässig nur 300 km entfernt in der Nordheide – an der Feldberger Seenlandschaft verbracht und sind auch dort sehr sesshaft gewesen, lebten sehr einfach, wuschen uns im See mit Ökoseife.

In den Corona-Spitzenzeiten sah kurz alles ganz anders aus.Verzicht auf Konsum und Mobilität ohne Grenzen fand nun als Folge einer Pandemie statt und die Menschen fanden sich damit ab. Alles sah so aus, als ob nun ein Umdenken stattfinden würde. 

Unsere Reise begann also mit großen Einschränkungen und lief dann mit kleinen weiter.

 

Unser neuer Lebensabschnitt begann 2019 mit gigantischer Vorfreude gepaart mit dem Megastress des ersten Reiseabschnitts. Die angestrebte Reisefreiheit ohne Zeitlimit wollte hart erarbeitet werden, erstmal im Berufsleben und dann mit so nüchternen Vorbereitungen wie Visumsantrag, Abschluss einer Autoversicherung fürs Ausland, Haus oder Wohnung zumindest partiell vermieten, damit die Kasse stimmt und die Einbruchgefahr nicht steigt, weil das Haus leer steht. Wenn, wie in unserem Fall, ein Hund mitkommen sollte, so standen noch Impfungen und Gesundheitscheck beim Haustierarzt an, der Besuch beim Amtstierarzt, der Einkauf von bestimmten Pflegeartikeln u.a.. 

Die Wochen vor der großen Reise waren folglich dicht gepackt mit Erledigungen, so dass der Fall in das große Loch nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben - bei mir die Pause -abgefedert wurde, bzw. sich das große Loch gar nicht erst auftat. Bei uns – das sei an dieser Stelle schon verraten, kam statt des Falls ein Höhenflug – per Boing 777 mit Air Canada.

Ja, endlich frei, dachten wir damals, ohne den Druck beruflicher Zwänge, Belastungen, Fesseln und ohne Ballast – abgesehen vom überdimensionalen Gepäck (zwei XXL-Koffer, zwei Handgepäck-fähige Köfferchen, zwei Laptop-Rucksäcke und eine XXL-Hunde-Transportbox) und wenn man so will – der Hund an der Leine. Auf meine geliebte Gitarre musste ich notgedrungen verzichten, aber ich würde in Calgary problemlos Ersatz finden.

Wer die Signale der Zeit erkennt, vermag mit dem Fluss des Lebens zu schwimmen und die für ihn adäquaten Dinge zu tun. Und wie schön, wenn das exakt mit den Vorstellungen und Bedürfnissen des Partners übereinstimmt.

Wir fuhren hinein eine offene Situation. Auch das klingt heute sehr normal, nicht mehr wegen der Freiheit, sondern weil heute, Corona bedingt alles für alle offen ist.

Es war nicht einfach, den verlängerten Fuß in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu bekommen. Ob die Kanadier uns tatsächlich ein Jahresvisum ausstellen würden, blieb bis zum Besuch des Emigration Center offen. All unserer Versuche mit der kanadischen Botschaft, die mittlerweile für die gesamte EU zuständig, in Wien residiert, blieben vergebliche Mühe. Eine Verlängerung über sechs Monate hinaus gewährte man den „Eindringlingen“ nur vor Ort. Wir mussten also mit offenem Ausgang losreisen und das, obwohl wir bereits einen Pickup Truck und einen Camper-Aufsatz über das Internet gekauft hatten. Es war ungewiss, ob wir ihn wieder verkauft bekommen würden.

Ein Leihcamper wäre für so einen Zeitraum die deutlich unkomplizierte Lösung, wäre jedoch zu teuer gekommen. 

 

 

 

1 Abschied vom Berufsleben - Eintritt in die Freiheit

 

Wie jede Sache ihre zwei Seiten hat, als Taiji-Lehrerin würde ich es auch Yin und Yang nennen, so ist auch der Wechsel vom Aktiv- in den Ruhestatus mit zweierlei Gefühlen behaftet. Da ist das Loslassenmüssen von dem mühevoll selbstständig Erarbeiteten für mich als Freiberufler, mit dem damit verbundenen und in keinem Verhältnis zum Nettoeinkommen stehendem Verwaltungsaufwand und gleichsam der Abnutzungsprozess durch die Routine, die auch durch die netten Teilnehmer in meinen abendlichen Taiji-Kursen nicht aufzuhalten ist. Und so war eine Auszeit nach über zwanzig Jahren dringend angesagt.

Es war ein neues, ein herrlich befreiendes Gefühl, endlich dem Nichts-Auf-Dem-Zettel-Haben entgegenzugehen, durch das auserwählte Land zu bummeln und den Tag zu nehmen, wie er sich gerade vor einem entfaltetete. Und mit diesen Yin- und Yang-Gefühlen (positiv und negativ) stellten wir uns einer ganz neuen Herausforderung: Die Haustür für ein Jahr hinter uns schließen, der geliebten Scholle und den Freunden ade sagen, das sichere Heim gegen ein rollendes tauschen, in dem wir zwischen Küchenzeile und Regalen gerade so aneinander vorbeipassen würden, und in dem wir einen winzigen Tisch miteinander zu teilen hätten, an dem gegessen, gepuzzelt, gelesen und getippt würde. 

Okay, zugegeben, da fehlt noch etwas im Ablauf. Der Übergang ging etwas fließender von statten, denn das erste Heim war eigentlich, nach einigen Hotelaufenthalten, unser Blockhaus am Wells Gray Park. Dieses kleine Blockhaus in der Wildnis des Clearwater Valley am Wells Gray Park wurde zu unserem Paradies. Aber das ahnten wir noch nicht. Damals stellten sich uns die Fragen:  Wie tief würden die Temperaturen während unseres Aufenthalts sinken? Würde die Hütte warm werden mit einem Holzofen und zwei kleinen Heizkörpern in Bad und Schlafzimmer? Würden wir einschneien? 

Und dann – gefühlt plötzlich – war der Moment der Abreise aus Deutschland gekommen. Wir konnten es kaum fassen, haben wir doch zehn volle Jahre auf diesen Augenblick gewartet. 

Am13.Januarging es los. Wir packten kurz vor Mitternacht unsere Koffer in den Caddy unserer lieben Nachbarn, ein schlicht schwarzer Riese für mich – Frauen brauchen ja immer mehr Krempel als Männer – und ein normal großer für Hans. 

Überpünktlich kamen wir am Harburger Bahnhof an, zogen das Gepäck und den schlaftrunkenen Hund hinter uns her und stiegen in das Gruppenabteil der Deutschen Bahn. Dieses ganze Abteil war nämlich als Gruppenticket für sechs Personen – so verkehrt ist die Welt der Bahn - billiger als ein Ticket für vier Reisende. 

Der Grund unserer Bahnreise von Hamburg-Harburg nach Frankfurt war unsere Hündin Ella, vor gut einem Jahr traumatisiert aus der Hundehölle Rumänien gerettet, der wir das Umsteigen in der Flugbox von einem Flieger in den nächsten ersparen wollten.

Wir stiegen also kurz vor Mitternacht in Hamburg-Harburg in den ICE, der – man mag es kaum glauben – pünktlich den Bahnhof in Richtung Frankfurt verließ. Dass es jedoch, wie bei der Buchung angenommen, keine Abteile mit Bänken mehr gibt, auf denen man sich zum Schlafen ausbreiten kann, war eine unangenehme Überraschung. Wir mussten die Nacht also sitzend verbringen. Für Ella war die Bahnfahrt mit den ratternden und quietschenden Fahrgeräuschen ein Horror und vielleicht der größere Stress als der Flug. Sie schlief nicht, hechelte stattdessen die ganze Zeit. In Frankfurt wuchteten unser Gepäck mit steifem Nacken und dösigem Kopf auf den zugigen Bahnsteig und zogen es zur S-Bahn, mit der wir zum Flugplatz weiterfuhren. Dort verbrachtenwir den Vormittag mit dem Betüddeln unserer gestressten Ella, mit letztem Gassigehen und Herumlungern im Dämmermodus.

Als wir bereits vierzehn Tage in Kanada waren und den wundervollen schneereichen Winter in Jasper genossen, am 27. Januar, kamen die ersten dünnen Nachrichten über einen neuen sehr ansteckenden Grippe-Virus aus Deutschland zu uns. Unsere Freunde schickten uns die Empfehlung: „Seid froh, dass Ihr nicht in Europa seid. Hier sorgt ein neuer Virus für Angst und Schrecken.“ Ja, ich war froh, und doch sprach etwas aus meinem Bauch, wie so häufig, das mir sagte, dass auch wir nicht in Sicherheit wären, dass das in Zeiten der Globalisierung, der schnellen und einfachen Verbindung von Kontinent zu Kontinent nirgends mehr möglich war. Aber dieses Gefühl hielt sich nicht lange, wurde überlagert von den wunderbaren Eindrücken und Erlebnissen dieses schönen Landes mit so viel unverdorbener Natur.

 

Wir hatten trotz allem bisher herrliche Erlebnisse in atemberaubenden Landschaften, wandern durch natürliche „Museen“ mit den erstaunlichsten Kunstwerken der Natur. 

Im Juni entspannte sich die Situation in Bristisch Columbia. Es gab nur noch wenige neue Covid-19-Fälle, während es in Alberta und im fernen Osten Kanadas noch nicht so gut lief, ganz zu schweigen vom großen Nachbarn USA. Dort ist es nach wie vor katastrophal, so dass die Grenze geschlossen bleibt. Ab 1.7. hat der Yukon für British-Columbia-Bewohner die Grenze wieder geöffnet, allen anderen wird die Einreise nur gestattet, wenn eine vierzehntägiger Quarantäne in Whitehorse angetreten wird, im Hotel, bei Verwandten oder auf dem Campingplatz im Camper. Wir waren ja bereits 3 1/2 Montate in Bristish Columbia (BC) unterwegs, so dass es keine Probleme gab.

Whitehorse ist eine angenehme Stadt und ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen in die wilde Umgebung, am Yukon entlang und zu versteckten See.

Der Caribou RV Park  ist trotz Nähe zum Alasky Highway ein sehr angenehmer Platz. Viel Verkehr ist ja nicht auf dem Highway, die Besitzer (aus Luxemburg eingewandert) sind super nett und die Atmosphäre dort entsprechend entspannt und freundlich. 

Im Yukon hat es nur 11 Covid-19-Fälle gegeben und BC hat das Problem in den Griff bekommen. Hoffen wir, dass es so bleibt! Auf jeden Fall haben fast alle öffentlichen Einrichtungen, Restaurants und Café wieder geöffnet und in BC ebenfalls, bis auf Bäder und die herrlichen Liard Hotsprings bei Muncho Lake, einem unserer kommenden Ziele. Das ist sehr schade. Wir hoffen jetzt auf die Öffnung der Grenze zu den North-West-Territories, um von Muncho Lake mit einem Wasserflugzeug zu den grandiosen Virginia Falls im Nahanni-NP fliegen zu können. 

Von Whitehorse aus soll es erstmal Kluani NP gehen, dann zum Atlin Lake in BC und dann zum Muncho Lake. Und dann mal sehen.

 

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Kunstwerke der Natur 

Kanada – Four seasons - Die Reise in Zeiten einer Pandemie
von Jutta Besser

 

2.Teil

 

 

 

Der weiße Riese

Die Übernahme unseres weißen Dodge Ram 3500, eine echte Wuchtbrumme, war trotz Schock über die Ausmaße ein netter Moment: Geradezu herzlich wurden wir bei JIM PATTINSON LEASE vom Sellers Consultant Kevin und der Verkaufs-Managerin Amber empfangen. Alles geht in Kanada per Vorname vonstatten, selbst wenn es um Versicherung und Buchungen geht. Dass wir diese unverschämt fette Kiste kaufen mussten haben wir Bradley zu verdanken, Sellers Consultant a.d., bei Kanadas größten Camperverleiher- und Verkäufer, ein Muskelpaket, nicht nur körperlich. Er war in der Lage, uns in wenigen Wochen davon zu überzeugen, dass wir mit keinem anderen Camper heil durch die kanadische Wildnis kämen. Ein Truckcamper sollte es auf alle Fälle werden, aber ein Eagle Cap 811, wörtlich übersetzt Adlerkappe,gehörte eigentlich nicht in unser Beuteschema – zu groß, zu luxuriös - zu teuer. Als wir dann endlich breitgeklopft von Bradley, stolze Besitzer eines Campers mit Slide-out und Generator für den Fall erneuter Klimakapriolen mit Temperaturen an die 40 Grad waren, entdeckten wir, dass das Teil so viel wog, dass es nur von einem Ford 350 oder einem Ram 3500 aufwärts zu wuppen war. Die sogenannte Payload beträgt 4500 lbs, das sind ... Tonnen. Und nun standen wir vor einem Problem. Pickups mit einer Payload um die 3500 lbs gibt es in Kanada wie Sand am Meer. Jeder Hinz und Kunz fährt dort einen Pickup, aber eben mittlerer Größe – für kanadische Verhältnisse wohlbemerkt. 

Auf dem Verkaufsparkplatz der Leasing-Firma Jim Pattinson grinste uns also ein Truck an, dessen Kühler einem Pitt-Bull-Terrier mit gefletschten Zähnen gleicht. Angsteinflößend, zumindest für umweltbewusste Menschen wie wir es sind. Und selbst der Verkäufer Kevin wiederholten ungefähr viermal den Satz „It’s a real big truck, you know, real big!“ als Warnung vor zu viel Drive.  

Ein Fahrer der Firma brachte uns zur KFZ-Anmeldestelle. Da die Versicherung auf Hans‘ Namen abgeschlossen worden war und ich den Pickup gekauft habe, hieß es zunächst, dass wir so das Auto nicht anmelden könnten. Erneuter Schock, aber dann schlug uns die Dame hinter dem Counter eine originelle Lösung vor: Ich sollte meinem Mann den Wagen verkaufen, dann kleine Korrektur – nein schenken. Daraufhin lächelte er begeistert und wenig später hatte ich Hans ein gigantisches Geschenkt zur Ankunft gemacht – einen Ram 3500.

Die Tage in Calgary waren geprägt von Erledigungen, Shoppinggängen und Spaziergängen in klirrender Kälte mit Hündin Ella, der wir bei Minus 33 Grad auch lieber ein Mäntelchen und Schuhe angezogen haben. Die Schuhe waren dabei am wichtigsten, weil sie nach den ersten Schritten auf dem eisigen Boden nur noch auf drei Beinen ging. Es tat ihr richtig weh und so entschlossen wir zu etwas, dass wir bei uns eher lächerlich fanden, zum Anziehen unseres Hundes. Der Dank äußerte sich in einem Sprint durch den Canmore Park durch den Schnee, durch die Büsche hindurch, die Hügel rauf und runter. Ein fröhlicher Hund macht Frauchen und Herrchen glücklich und lässt alle Peinlichkeitgefühle verschwinden.  

 

Angekommen in den immer wieder beeindruckenden Rocky Mountains, zeigte sich das Winterwetter von seiner absolut angenehmsten Seite: Termperaturen um 0 herum, richtig fett Schnee und viel Sonne - ein kanadischer Traum. Wir alle drei genossen den richtigen Winter und den Schnee. Ella liebte es, sich im Schnee zu drehen, erschien gezuckert und zerzaust aus den Schneebergen. Hans und ich haben uns im Secondhand-shop in Canmore Langlaufski gekauft und glitten damit über sanfte Hügel hinauf und hinab durch den grün-weißen Tannenwald und über den See im Banff National Park.

 

 

Mittlerweile sind wir mehr als 6 Monate unterwegs und haben, trotz Pandemie, trotz vieler Schließungen von Campgrounds und Läden immer wieder herrliche Plätze gefunden, mal wild, mal auf privaten Campingplätzen. Die Natur tröstete uns in diesen schweren Zeiten, in denen viele Menschen Kummer und Leid aufgesetzt sind. Wir sind dankbar dafür, dass wir sein dürfen und üben uns beim Reisen in Selbstisolation, ganz automatisch, da wir oft allein auf den Campgrounds oder den wilden Plätzen sind. Schön, wenn man sich so gut versteht. Liebe ist das größte Geschenk.

Unsere Reise entpuppte sich zu einer ganz Besonderen: wir sind auf den offiziellen privaten Campingplätzen, die die gesamte Zeit offen waren, sowie auf den White Spot-Plätzen (erlaubtes Wildcampen) fast alleine und genießen die Ruhe, die neu entdeckten "Nieschen", die für uns bisher unendeckten Plätze abseits der ausgetreten Routen. Der kanadische Traum ist Wirklichkeit geworden. Mittlerweile haben alle Provincial Parks in BC und im Yukon wieder geöffnet und das Campen ist wieder ganz einfach geworden.

 

In 2021 könnt Ihr mehr über unsere Reise lesen.

 

 

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